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Banca March bleibt angesichts des wirtschaftlichen Abschwungs vorsichtig und sieht eine Rezession als nahezu unvermeidlich

04 Oktober 2022 Kategorie: Banca March

  • Die Konjunktur kühlt sich zunehmend ab, derweil die Währungshüter die Inflation um jeden Preis bekämpfen wollen. Die Wirtschaft wird sich noch mehr verlangsamen, und das weltweite Wachstum im nächsten Jahr nur noch +1,7 % erreichen, was nur halb so hoch wäre wie der Durchschnitt der letzten 40 Jahre.
  • Europas Gasspeicher sind mittlerweile zwar gut gefüllt, doch die extrem hohen Kosten und die notwendige Verringerung der Energienachfrage werden die Wirtschaft in der Region belasten, sodass eine Rezession nahezu unvermeidlich ist.
  • Die starken Abschläge bei Anleihen bieten eine Gelegenheit, überschüssige Liquidität in kurzfristige Positionen zu stecken.
  • Bei Aktien ist immer noch Vorsicht geboten: Für eine Trendwende an den Märkten müsste sich zunächst die Kerninflation verlangsamen, damit die Zentralbanken ihre restriktive Haltung allmählich aufgeben könnten.
  • Durch den Kursrutsch haben sich die Bewertungen verbilligt, doch Vorsicht ist geboten: Die Märkte antizipieren zwar einen Rückgang der Unternehmensgewinne, dieser hat allerdings gerade erst begonnen.

Die oberste Priorität der Währungshüter liegt auf der Bekämpfung der Inflation, was jedoch negative Folgen für die Weltwirtschaft haben wird, wie es das Marktstrategieteam von Banca March einschätzt: „Die finanziellen Bedingungen haben sich drastisch verschlechtert, und eine Rezession scheint nun fast unvermeidlich, zumindest in der Eurozone.“ In den USA wiederum hat das Beschäftigungswachstum seine besten Zeiten hinter sich, was in Verbindung mit steigenden Finanzierungskosten auch die Binnennachfrage unter Druck setzen wird. Vor diesem Hintergrund schwächen sich die Aussichten für das weltweite Wachstum zunehmend ab: Die Experten der Bank schätzen, dass das globale BIP Ende nächsten Jahres um etwa 4 Prozentpunkte unter dem Niveau liegen wird, das vor Ausbruch des Konflikts in der Ukraine prognostiziert wurde.

2023 dürfte das weltweite BIP-Wachstum bei +1,7 % liegen, was nur halb so hoch wäre wie das durchschnittliche Wachstum der letzten 40 Jahre. Auf Ebene der Regionen werden die USA nahezu stagnieren (+0,7 %), während die Erholung in China schwach ausfallen wird. Für die Eurozone hingegen wird eine stärkere Rezession erwartet, die Ende dieses Jahres beginnen dürfte. Das Wachstum im Jahr 2023 wird mit geschätzt -0,2 % negativ ausfallen. In Spanien wird sich die Wirtschaft ebenfalls stark abschwächen: Das Wachstum dürfte bis auf +1 % abnehmen und das Bruttoinlandsprodukt dürfte erst Ende 2023 wieder das Niveau von vor der Pandemie erreichen, also fast zwei Jahre später als im Euroraum insgesamt.

Die Energieversorgung in Europa ist ungewiss und wird über das Wohl und Wehe der wirtschaftlichen Entwicklung entscheiden. Obwohl die Gasspeicher inzwischen zu fast 90 % gefüllt sind, haben die hohen Kosten Folgen vor allem für die Länder, die von russischen Lieferungen abhängig sind. Die positive Nachricht ist, dass in den Szenarien von Banca March eine Reduzierung der Nachfrage um 15 % – wie von der Europäischen Kommission vorgeschlagen – ausreichen dürfte, um den kommenden Winter zu überstehen. „Allerdings ist der Spielraum gering, und niedrigere Temperaturen als üblich könnten die Lage erschweren“, so die Experten.

Die schwierige Aufgabe der Zentralbanken

Hauptsorge ist und bleibt die Inflation. Zwar gibt es einige positive Anzeichen, aber bis zu einer Normalisierung ist es noch ein weiter Weg. Der Rückgang der Rohölpreise – Brent-Öl ist derzeit sogar günstiger als vor Ausbruch des Ukraine-Krieges – und nachlassende Störungen in den globalen Lieferketten dürften dazu führen, dass die Inflation in der zweiten Jahreshälfte ihren Höhepunkt erreicht.

Der Anstieg der Energiekosten hat sich jedoch bereits auf den gesamten Warenkorb ausgewirkt. Nach Ansicht von Banca March wird die Kerninflation – der eigentliche Grund für die Sorgen der Währungshüter – hoch bleiben, weshalb die Zentralbanken ihre Stimuli weiter zurückfahren müssen. Die US-Notenbank Federal Reserve dürfte ihre Bilanz um 95 Mrd. US-Dollar pro Monat weiter abbauen und ihre Leitzinsen bis Ende des Jahres auf über 4,25 % anheben.

Die EZB hingegen dürfte zwar den Umfang ihrer Bilanz beibehalten, doch erwartet das Marktstrategieteam von Banca March eine ähnliche Entwicklung des Leitzinses, der Ende 2022 über 2 % liegen dürfte. Die EZB wird dabei vorsichtiger vorgehen, denn sie muss einen Balanceakt vollziehen: Einerseits muss sie die Zinssätze anheben, andererseits kann sie die Finanzierungsmöglichkeiten für die Peripherieländern nicht zu sehr einschränken.

Wo investieren in einem Szenario mit langsamerem Wachstum und steigenden Zinsen?

Im bisherigen Jahresverlauf sind sowohl Anleihe- als Aktienindizes um mehr als 20 % gefallen und für die Anleger gab es kaum einen Ausweg. Besonders heftig fiel die Korrektur bei den Rentenpapieren aus. Nach Einschätzung des Marktstrategieteams von Banca March ist es aber noch zu früh, ein Ende bei den Zinserhöhungen zu sehen. Die Aussagen der Zentralbanken und die anhaltende Inflation setzen die Anleihekurse also weiter unter Druck: „Wie die Vergangenheit zeigt, müssen die Zentralbanken für eine Stabilisierung der langfristigen Zinssätze eine Pause bei den Leitzinsanhebungen ankündigen, was vor Ende dieses Jahres nicht zu erwarten ist“, so die Experten von Banca March.

In einem Szenario steigender Zinsen ist es wichtig, geduldig und selektiv vorzugehen. Die Bank empfiehlt nach wie vor eine Untergewichtung von Anleihen. Die Bewertungen und das Risiko-Rendite-Verhältnis in dieser Anlageklasse haben sich aber deutlich verbessert, weshalb sie rät, mit überflüssigen Mitteln erste Positionen in kurzfristigen Schuldtiteln aufzubauen. Chancen sieht sie vor allem bei Kurzläufern und in den Segmenten mit höherer Kreditqualität, insbesondere im Bereich Investment Grade in Europa.

Bei Aktien sind durch die jüngsten Korrekturen die Kennzahlen deutlich gesunken und es herrscht nun eine sehr negative Stimmung. Eine taktische Erholung ist nun durchaus möglich, einige Faktoren mahnen jedoch zur Vorsicht. Daher raten wir zu einer zurückhaltenden Positionierung (Untergewichtung). In der Vergangenheit sind die Unternehmensgewinne in einer Rezession im Durchschnitt um 18 % zurückgegangen – was aktuell nicht eingepreist ist. Noch rechnet der Markt mit einem weltweiten Gewinnwachstum von +5,9 % im Jahr 2023. Daher weisen die Experten der Bank darauf hin, dass „die Bewertungen attraktiv sind, aber mögliche Gewinnrevisionen nach unten in den kommenden Monaten die Märkte weiter unter Druck setzen können“.

Auch ist ihrer Ansicht nach eine Stabilisierung der Zinssätze erforderlich, bevor sich der Trend an den Aktienmärkten umkehren wird. In der Vergangenheit erreichten die Aktienmärkte im Durchschnitt ihre Tiefs drei Monate nachdem die Fed mit den Zinssenkungen begonnen hatte, was nach ihren Erwartungen in nächster Zeit nicht der Fall sein wird. Auch wenn alle Bärenmärkte unterschiedliche Merkmale aufweisen, zeigt die Geschichte jedoch eines: Wenn Kurskorrektur und Rezession zusammentreffen, fallen die Abwärtsbewegungen sowohl tiefer als auch länger aus. So dauert eine Baisse im Durchschnitt 14 Monate, während wir jetzt neun Monate hinter uns haben.

Im derzeitigen Umfeld raten unsere Experten bei Aktien zur Vorsicht. Ihrer Ansicht nach setzt eine Trendwende an den Aktienmärkten voraus, dass sich die Kerninflation abschwächt. Erst dann können die Zentralbanken ihre restriktive Haltung allmählich ablegen.

“Geografisch gesehen bevorzugen wir weiterhin Regionen, die weniger von der Energiekrise und dem Konflikt in der Ukraine betroffen sind, und halten ein Übergewicht in den USA gegenüber Europa. Auf Sektorebene bevorzugen wir defensive Anlagen, etwa im Gesundheitswesen“, so das Marktstrategieteam von Banca March. In den zyklischen Sektoren – immer noch untergewichtet – bevorzugen unsere Experten Finanzwerte. Im Technologiesektor sind sie weiterhin konservativ ausgerichtet mit Schwerpunkt auf Unternehmen, die beispielsweise mit Software wiederkehrende Einnahmen erzielen. Des Weiteren sehen sie Chancen für Infrastruktur-Anlagen in Sektoren, die von den zunehmenden globalen Sicherheitsbedenken profitieren. Themen sind etwa die Energieautarkie Europas und der grüne Wandel.

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